Berichte von 12/2010

Hundertsechzehnter bis Hundertvierundzwanzigster

Montag, 20.12.2010

... so, die Klausuren sind zum Glück überstanden, alle nötigen Unterschriften geholt, das Fahrrad zurückgebracht, das Bankkonto gekündigt, Hostel in Tampere gebucht, Zugticket nach Tampere gekauft, Flug eingecheckt, ein Paket mit fast 15 kg Kleidung für 46€ auf den Weg gebracht und Sachen zum größten Teil gepackt. Auch das Survival-Kit von der Student Union ist zurückgebracht. Leider haben sie diese Woche keine vernünftigen Öffnungszeiten, daher müssen wir diese letzte Nacht in Vaasa leider komplett ohne Bettzeug verbringen und uns mit Handtüchern und Jacken behelfen... Wenigstens ist dann die Wahrscheinlichkeit gering, dass wir morgen verschlafen, denn wir müssen "schon" um zehn nach zwölf am Bahnhof sein. Bis dahin muss aber das Apartment noch geputzt und der Schlüssel abgegeben werden.

Dann gehts nämlich los nach Tampere, wo wir, wie bereits gesagt, eine Nacht im Hostel verbringen werden. Am Abend davor werden wir uns noch den Weihnachtsmarkt von Tampere angucken. Am Mittwoch geht dann hoffentlich unser Flug von Tampere um 10 Uhr finnischer Zeit. In Bremen sind wir dann zwanzig nach 11 deutscher Zeit. Hoffentlich bleibt Bremen vom Schneechaos verschont, von einigen anderen abreisenden Studenten hören wir, dass es Verspätungen im besten Fall gibt, ansonsten auch gerne mal Ausfälle oder verschwundenes Gepäck. Wir sind gespannt.

Hundertundzehnter bis Hundertundfünfzehnter

Samstag, 11.12.2010

Es gibt nicht viel zu erzählen im Moment. Ich stecke gerade ziemlich im Lernstress, nächste Woche habe ich meine zwei Klausuren. Um dem Lernstress ein bisschen zu entgehen, sind Carolin und ich am Donnerstag mit dem Bus nach Nykarleby (finnischer Name: Uusikaarlepyy) gefahren, und haben endlich mal Lisa, die da wohnt und studiert, besucht.

Nykarleby ist eine kleine aber gemütliche Stadt, in der die schwedischsprachigen Finnen in der Mehrheit sind. Daher werden schwedische Namen der Orte und Straßen zuerst genannt, vor den finnischen Bezeichnungen. In Vaasa ist es genau andersherum.

Der zugefrorene Fluss mitten durch die StadtViele Leute, vor allem ältere und Kinder, sind hier mit Schlitten unterwegsCarolin, Lisa, Lisas Fahrrad und das Kraftwerk von Nykarleby

Wir haben uns mit Lisa ein bisschen die Stadt angeguckt, dann Lisas Apartment, das größer, schöner und billiger ist, als unsere Zimmer in Vaasa. Den Nachmittag haben wir dann mit einem finnsichen Weihnachtsfilm (aber auf deutsch!), Kekse essen, Spaghetti kochen und essen und ein paar guten Partien Stadt, Land, Fluss verbracht.

In Vaasa ist es wieder ein bisschen kälter geworden, es sind so um die -10°C und scheinbar ist das Meer zugefroren. Die letzten Tage konnte man immer wieder ein paar vereinzelte Lang- und Schlittschuhläufer von der Uni aus beobachten, aber mittlerweile sind die Finnen schon eisfischend oder mit Schneemobilen und einem Auto(!) auf dem Eis unterwegs. Allerdings ist das Meer hier bei Vaasa größtenteils von Land umgeben, sodass es einfacher zufriert, als das "offene" Meer Richtung Schweden.

Hundertunddritter bis Hundertundneunter

Sonntag, 05.12.2010

Die Unikurse sind jetzt fast vorbei, der eine hat letzte Woche aufgehört, der zweite findet am Dienstag und Mittwoch die letzten Male statt und mein Onlinekurs geht morgen in die letzte Woche. Dann habe ich noch am 13. und am 17. Klausuren, bevor ich durch bin und dann auch schon fast nach Hause fliege...

Aber erstmal ein Rückblick auf die letzte Woche und auf Lappland! Am Dienstag ging es um 6 Uhr früh an der Uni los (endlich mussten wir mal nicht mit dem gesamten Gepäck bis zum Bahnhof laufen...) und in 12 Stunden Fahrt nach Luosto. Mittags haben wir Station in Oulu gemacht und dort an der Uni in der Mensa gegessen.

Lappland ist genau wie man es sich vorstellt: Unmengen an Schnee, Bäume so weit das Auge reicht (zugegeben, im Wald reicht es nicht ganz so weit), Rentiere und viel Einsamkeit. Zu unserer Überraschung war es aber nicht so kalt wie befürchtet, im Gegenteil: Wir sind bei -16° in Vaasa losgefahren und hatten in Lappland gerade mal -4°. Das war aber gar nicht mal so schlecht, denn wir konnten die Zeit draußen etwas besser geniessen, als wenn wir ständig mit gefrorenen Wimpern zu kämpfen gehabt hätten.

In Luosto haben wir in einem Hotel gewohnt, das scheinbar recht gut besucht war. Direkt hinter dem Hotel gibt es eine Skipiste, also waren einige Winterurlauber da.

Am ersten Abend gab es außer dem Dinner kein Programm, was einige Studenten unserer Gruppe gleich mal aus Einladung sahen, die Nacht ausgiebig zu feiern, obwohl wir bei der Ankunft gleich gewarnt wurden, dass wir uns bitte benehmen sollten, nicht rauchen und keinen Lärm machen sollten. Alle diese Sachen wurden von den feiernden gleich mal missachtet, was in mehreren Beschwerden anderer Hotelgäste resultierte sodass am Mittwoch sechs Spanier nach einen Gespräch mit dem Hotelmanager und unserer Koordinatorin auf eigene Kosten nach Hause fahren durften.

Für diejenigen, die bleiben durften ging es dann am Mittwoch in eine Amethystmine. Dorthin mussten wir einen Berg hochlaufen, durch den Schnee und vorbei an vereinzelten langläufern. Oben hatten wir eine wunderschöne Aussicht über die verschneiten Wälder unten und auf die untergehende Sonne, die eigentlich gar nicht richtig aufgegangen war...

Verschneite BäumeNoch mehr davon. Dieses Bild habe ich gegen Mittag gemacht, die Sonne irgendwo zwischen Auf- und UntergangAussicht vom BergIch in Lappland :)

Von den Betreibern der Mine bekamen wir ein bisschen was über die Steine und die Mine selbst erzählt und Glögi zu trinken. Die Mine ist in privater Hand von tausenden "Besitzern" aus aller Welt. Sie wird nicht "bewirtschaftet", sondern lässt die Besitzer und Touristengruppen selbst ein bisschen nach Steinen buddeln. So durften wir uns mit kleinen Hämmerchen schließlich auch auf die Suche nach unserem "Glücksstein" machen, der angeblich schon darauf wartete, ausgebuddelt zu werden.

Am Abend sind wir mit der gesamten Gruppe an einen See gefahren, wo einige verrückte in die Sauna und anschließend Eisschwimmen gehen konnten. Diejenigen, die weniger verrückt waren (also ich zum Beispiel) haben sich die Hände am Lagerfeuer gewärmt und Marshmallows geröstet.

Donnerstag sind wir zu einer Rentierfarm gefahren, wo wir Rentiere füttern und streicheln konnten und sogar eine Schlittenfahrt machen konnten. Der Schlitten von Carolin und mir wurde von einem Rentier namens "Hupu" gezogen."Tupu, Hupu ja Lupu" sind die finnische Version von "Tick, Trick und Track". Den Nachmittag hatten wir Freizeit, die einige zum Ski- und Snowboardfahren genutzt haben. Ich bin da lieber zu Fuß ein bisschen spazieren gegangen.

Es war wieder Mittag...Weißes Rentier. Ein unausgebildetes Rentier kostet übrigens 500€, ein ausgebildetes mindestens 1000€.SchlittenfahrtIch beim Rentierfüttern. Sie haben sogar aus der Hand gefressen, nur nicht fürs Foto.

Am Freitag ging es dann auch wieder auf die lange Reise zurück nach Vaasa. In Rovaniemi haben wir einen längeren Zwischenstopp gemacht und den Weihnachtsmann besucht. Der wohnt da nämlich im Santa Claus village, in dem das ganze Jahr über Weihnachten ist. Man konnte sich sogar zusammen mit dem Weihnachtsmann fotografieren lassen (und das Foto für 25€ aufwärts kaufen). Ansonsten besteht das "Dorf" aus einer großen Zahl an Souvenierläden und Cafes und einen Spielplatz für Kinder. Im Grunde nicht viel, aber trotzdem genug Gelegenheit eine ganze Menge Geld auszugeben, wenn man möchte...

Hier hält der Weihnachtsmann seine Audienz ab ;)

Morgen, am 6. Dezember ist in Finnland Unabhängigkeitstag. Das heißt, alle Geschäfte haben geschlossen, wir haben keine Uni und abends gibt es eine Parade auf dem Marktplatz. Außerdem gibt es eine Cocktailparty für die internationalen Studenten, allerdings haben wir keine Karten dafür gekauft. Mal schauen, ob wir uns die Parade aber trotzdem angucken werden.

Vaasa ist übigens immernoch verschneit, aber die Temperaturen sind wieder gestiegen, heute sind es nur noch um die 0° draußen gewesen. Hoffentlich taut aber nicht alles wieder weg!