Berichte von 11/2010

Einundachtzigster bis Zweiundneunzigster

Sonntag, 28.11.2010

So, das war wieder mal eine lange Pause zwischen den Einträgen...

Hier hat sich allgemein nicht viel verändert, der Einfachheit halber werde ich den Eintag einfach in mehrere Rubriken einteilen und dazu etwas schreiben...

Uni läuft vor sich hin, ich habe mich mit meinen Kursen mittlerweile mit mir selbst geeinigt (Semiotics fällt weg, der Rest bleibt) und wir haben Schnee!!!

Schnee

Im Grunde haben wir den Schnee jetzt schon seit drei Wochen. Es hat einfach angefangen zu schneien, und das richtig. In der ersten Woche hat es noch zweimal getaut, aber nicht genug, dass alles weg wäre. Ganz im Gegenteil, da die Finnen (wenn überhaupt) nur Splitt streuen, friert der Schneematsch einfach wieder fest. Mit Splitt kann man trotzdem ganz gut laufen, ohne wirds schon etwas gefährlicher. Radfahren dagegen klappt ganz gut, sobald man mal auf dem Fahrrad drauf ist und man die festgefrorenen Spurrinnen und Vollbremsungen vermeidet.

Heute hat es dann nach längerer Zeit wieder geschneit bei -6°C. Schönster Pulverschnee, der den dreckigen alten Schnee abdeckt. Ich bin mal gespannt, ob morgen früh zumindest die Gehwege geräumt werden, sonst könnte sich der Weg zur Uni interessant gestalten.

Der See hinter dem WohnheimMeine Füsse!Von heute, nachdem es geschneit hat.Autos vor der Uni, an die Motorheizung angeschlossen. Diese Steckdosen gibt es auf vielen Parkplätzen.Die Unibibliothek im SchneeSo sehen so ziemlich alle Wege hier aus. Vereist.Und mich kennt ihr noch, oder?

Musik

Ja, Musik braucht ihren eigenen Teil. Nicht nur, weil ich jetzt gerade eine etwas ungesunde und zeitlich unpassende Obsession mit neuen und alten Lieblingsbands entwickle, sondern auch weil wir vor drei Wochen hier in Vaasa ein Konzert besucht haben. Die Matalband "The 69 Eyes" aus Helsinki hat auf ihrer Akustik-Tour Halt im Hullu Pullo (finnisch für "verrückte Flasche") gemacht. Da es Akustik und nur ein relativ kleiner Club war, war es auch nicht ganz so laut, aber es hat schon ausgereicht. Die Band war gut, hat mir gefallen, auch wenn ich vorher keine Lieder kannte. Den Finnen hat es scheinbar auch gefallen, auch wenn einige ziemlich betrunken waren und ein Mädchen vor uns einem anderen Besucher in die Schulter gebissen hat, weil er vermutlich zu groß war und sie in der zweiten Reihe nichts sehen konnte.

So hübsch, dass ich jemanden dafür beissen würde, war der Sänger aber auch nicht.Und noch mal in lila:)

Weihnachten

Auch ich kann mich nicht ganz entziehen, auch wenn ich noch gar nicht in Weihnachtsstimmung bin. Es gibt in den Supermärkten finnische Pfefferkuchen, Weihnachtsbier, Schoko-Adventskalender, Kerzen, Deko und so weiter. Es hängen die ersten Lichterketten, Caro hat heute Plätzchen gebacken und wir waren letzte Woche auch schon auf einer Pre-Christmas-Party. Dort gab es Kekse, ein kleines bisschen finnische Weihnachtsmusik und Glögi, finnischen Glühwein. Der ist wirklich lecker, ein bisschen würziger als deutscher. Außerdem muss man den Alkohol selbst dazumischen, im Supermarkt gibt es Glögi nur ohen Alkohol zu kaufen. Dementsprechend wird entweder mit Rotwein oder Vodka gemischt.

Außerdem ist heute erster Advent, habe ich mir sagen lassen. Trotzdem haben wie an jedem Sonntag die Geschäfte offen. Aber dafür haben Caro und ich mir ihren Keksen, Tee und Sitcoms gefeiert.

Sooo, da unten gehts gleich weiter... Hatte das Zeichenlimit für Einträge erreicht....

Dreiundneunzigster bis Hundertundzweiter

Sonntag, 28.11.2010

St. Petersburg

Gut, dieser Teil könnte etwas länger werden. Letzte Woche sind wir aus dem glatten Vaasa geflohen, ein paar Stunden nach Helsinki gefahren und von dort aus mit der Fähre nach Sankt Petersburg gefahren. Die Fahrt dauerte 12 Stunden, aber zum Glück hatten wir jeder einen Schlafplatz! In Sankt Petersburg angekommen ging es zur Passkontrolle und dann gleich in den Bus unseres Reiseverantalters, der eine Stadtrundfahrt organisiert hatte. Wir hatten zwei "Guides", einen vom Reisebüro und dann eben den Stadtführer. Unsere Reisegruppe bestand aus 15 Leuten, davon wir fünf deutsche, noch zwei weitere deutsche Studenten, ein paar Finnen und eine Niederländerin.

Was man sofort als ersten Eindruck sagen und auch festhalten kann ist: Sankt Petersburg ist riesig (mit 5 Millionen Einwohnern etwa genauso viele wie ganz Finnland) und chaotisch. Die Straßen sind voll, Autofahrer fahren wie es ihnen passt, man kann auch um Mitternacht mitten in der Stadt im Stau stehen (zum Glück blieb das Verkehrschaos, das der Reiseführer aufgrund des Besuchs von Putin befürchtet hatte aus) und rund um die Uhr sind unglaublich viele Fussgänger unterwegs. Zum Glück war es nicht so kalt wie in Finnland, es war die ganze Zeit knapp über 0° aber ziemlich nasskalt.

Gleich nach der AnkunftVon der StadtrundfahrtLinks der Stadtführer, rechts der Gruppenleiter von der Reiseagetur, in der Mitte ein Kirchturm :)Decke in der Cathedral on the Spilled Blood

Nachmittags sind wir dann im Hotel angekommen, hatten ein bisschen Ruhe und Zeit uns Wasser zu kaufen (weil man das Leitungswasser besser nicht trinken sollte) und uns zu erholen, bevor es abends zum "Russian Dinner" ging. Dort haben wir Russische Spezialitäten gegessen, Russisches Wasser (=Vodka) getrunken und uns von zwei Folk-Gruppen musikalisch und mit Spielen unterhalten lassen.

Der Blick aus unserem Hotelzimmer war nicht ganz so schönStraße am frühen Abend... und nocheinmal

Samstag kamen wir dann gleich in den Genuss des wirklich guten Frühstücks, dass das Hotel anbot. Danach ging es mit dem Bus nach Pushkin in den Katharinenpalast, wo wir auch wieder von unserem Stadtführer die Tour bekamen. Unter anderem haben wir dort dann auch das Bernsteinzimmer (oder vielmehr die Nachbildung davon) gesehen. Den Nachmittag hatten wir Freizeit, die wir in der Stadt verbrachten. Abends haben wir dann noch eine Stadtrundfahrt in einer Limousine gemacht, die auch zum Programm gehörte. Ein bisschen Promi-Feeling mit Chauffeur, lauter Musik und Champagner! :)

KatharinenpalastDie beiden Limousinen :) Wir waren in der schwarzenEiner der ZwischenstoppsDas gab es zu trinken...Nächtliche Skyline. Interessant ist, dass alle Häuser die gleiche Höhe haben.

Sonntag war dann der letzte Tag, um 11 war check-out und Abfahrt zum State Hermitage Museum, einer der größten Kunstsammlungen der Welt. Auch hier hatten wir wieder eine Tour, diesmal aber bei einem anderen Guide, der uns die Highlights der Ausstellung gezeigt hat. Es ist unmöglich alles zu sehen, was ausgestellt ist, selbst unser Guide kannte nicht alles...

Besagter Guide und ein Teil unserer Gruppe

Nach der Tour hatten wir wieder ein bisschen Freizeit, in der wir verzweifelt versuchten ein Restaurant zu finden in dem die Hälfte von uns die letzten Rubel loswerden konnte und die andere Hälfte mit Karte zahlen konnte. Leider Erfolglos, denn kaum ein Geschäft und schon gar kein (günstiges) Lokal akzeptiert Kredit- oder sonstige Karten (noch nicht einmal Subway!). Also haben wir die letzten Rubel zusammengeworfen, sind in ein kleines Bistro gegangen und nicht wirklich satt wieder herausgekommen, sodass wir noch schnell zu McDonald's gegangen sind, die akzeptieren nämlich auch Karten.

Anschließend ging es dann wieder zum Hafen, durch die Passkontrolle und wieder auf das Schiff Richtung Helsinki. Dort kamen wir dann um halb neun im Schnee an und haben uns auf den Weg zurück nach Vaasa gemacht. Der ganze Trip war ziemlich anstrengend, aber trotzdem schön. Sankt Petersburg ist eine tolle Stadt, auch wenn sie mir zu groß und zu dreckig ist. Es war sehr angenehm, dass wir ein fertiges Programm komplett mit Reiseführer und Bus für den Trip hatten, sodass wir und nicht selbst um alles kümmern mussten. Gerade bei einer so großen Stadt wäre das wahrscheinlich ziemlich aufwändig geworden...

 

Lappland

Noch kein Eintrag, nur ein Ausblick. Am Dienstag geht es um 6:00 Uhr an der Uni mit dem Bus los... Und um 6 Uhr Abends kommen wir dann wohl in Luosto im Hotel an. Allerdings machen wir noch einen Zwischenstopp in Oulu, um noch ein paar Leute mitzunehmen. Ich bin gespannt. Es sind da oben momentan wohl um die -27°C. Ich bin gespannt, hoffentlich wird es noch ein paar Grad wärmer bis Dienstag...

Achtundsechzigster bis Achtzigster

Samstag, 06.11.2010

Ich möchte mich hiermit erstmal dafür entschuldigen, dass die Abstände zwischen meinen Einträgen immer länger werden. Aber das passiert völlig unabsichtlich, weil es zwischendurch einfach nicht viel zu erzählen gibt. Vielleicht merkt man daran, dass alles nicht mehr so spektakulär ist, wie zu Anfang, dass man sich eingewöhnt hat. Versteht mich nicht falsch, es ist immernoch toll hier und selten langweilig, aber eben nicht mehr so neu, wie vor zwei Monaten.

Zwei Monate klingen wirklich viel, aber wenn ich darüber nachdenke, kann ich gar nicht sagen, wo die Zeit geblieben ist! Es kommt mir so vor, als wäre ich gestern in Vaasa mit meinen Koffern aus dem Zug gestiegen, dabei ist es nur noch etwas mehr als ein Monat, bis ich mit den gleichen Koffern wieder in den gleichen Zug steigen werde. Aber genug davon!

Die Uni hat diese Woche wieder angefangen und ich weiß trotzdem nicht, welche Kurse ich besuchen möchte. Ich muss insgesamt 25 Credits mit nach Hause bringen und alle Kurse die ich machen kann, geben jeweils 5. Aus dem ersten Teil des Semesters bekomme ich schonmal 10, wenn alles gut geht. Eine Klausur muss ich noch schreiben, die findet erst im Dezember statt. Der andere Kurs verlangte ein Take-Home Exam und acht Seiten Zusammenfassungen der Vorlesungen, was ich beides am Mittwoch abgegeben habe.

Momentan mache ich noch einen Online Kurs mit Leuten von verschiedenen finnischen Unis. Unter den Studenten sind natürlich Finnen, aber auch sehr viele Austauschstudenten aus aller Welt. Der Kurs findet nur im Internet statt, auf einer Platform der Uni Tampere gibt es ein Forum, in dem jede Woche Material zum Lesen online gestellt wird. Über das Material diskutieren wir Studenten dann in dem Forum, bekommen Feedback von den Lehrenden (die auch von verschiedenen Unis kommen) und müssen am Ende der Woche ein "Learning Diary" abgeben, in dem wir aufschreiben, was wir durch das Material und vor allem die Diskussion gelernt haben. Name des Kurses ist "Current Issues in Communication Studies: Perspectives on Computer Mediated Communication" und es geht eben um aktuelle Themen der Computervermittelten Kommunikation, zum Beispiel technische Kommunikation, Social Media, "Perspectives on Wikipedia" und andere.

Die andern Kurse sind "Cross-Cultural Management", in dem es (mal wieder) um Kulturelle Unterschiede zwischen Ländern geht und wie sich das auf Verhandlungen und die Geschäftswelt auswirkt und "Culture, History and Identity", in dem es auch um kulturelle Dinge geht, allerdings werden wir Vorlesungen über American Identity, Russian Nationalism, Finnish Nationalism und worauf ich besonders gepannt bin, German Nationalism, hören. Ein weiterer Kurs, bei dem ich überlege ihn zu machen ist "Semiotics and Interpretation", in dem es um Symbole in Sprache und Diskursanalyse geht. Leider war die erste Vorlesung letzte Woche nicht besonders interessant und der Kurs überschneidet sich einmal die Woche mit Cross-Cultural Management... Außerdem verspricht die Klausur nicht einfach zu werden und ich brauche die Punkte für den Kurs nicht zwangsweise, wenn mit allen anderen Kursen alles klappt...

Aber genug von der Uni. Das Wetter hier ist sehr abwechslungsreich, die letzten Tage hatten wir Regen, Sonne und gestern Abend Schnee (der aber bei 2° nicht liegen geblieben ist). Für die nächsten Tage ist wieder Schnee angekündigt, vielleicht bleibt der ja mal wirklich liegen? Da auch wir am Sonntag die Uhr umgestellt haben, haben wir um 16 Uhr einen schönen Sonnenuntergang, wenn die Wolken es zulassen. Aber auch morgens geht die Sonne laut Internet erst um halb neun auf. Kurze Tage mittlerweile...

Am Mittwoch haben einige der finnischen Tutoren ein "International Dinner" organisiert, zu dem alle Austauschstudenten eingeladen waren. Bedingung war, eine Speise typisch für das jeweilige Heimatland mitzubringen. Wir als deutsche haben Donauwellen gebacken (allerdings leicht abgewandelt. In diesem Land gibt. es. keine. Kirschen...), einen Kartoffelsalat gemacht und eine typisch Bayrische Creme. Einige Teilnehmer haben es sich allerdings einfacher (und billiger) gemacht und nur ein paar Süßigkeiten, Chips (die eindeutig finnisch waren!) oder einen Christstollen vom Lidl hier in Vaasa mitgebracht. Lecker war es trotzdem und interessant so viele Sachen aus verschiedenen Ländern probieren zu können.

So zum Schluss noch ein paar Fotos...

Ein Stück vereistes Meer. Es hatte die Nächte voher gefroren.Letzte Woche haben wir eine kleine Radtour durch die Wälder gemacht!Einer der Hörsäle, in dem ich eine Vorlesung habe. Die kleine Person ganz vorne ist die Dozentin ;)So sieht etwa die Hälfte der finnischen Autos aus. Nicht die platten Reifen, sondern der Dreck...

Nachtrag zum Auto-Foto: Die Autos sind tatsächlich so dreckig und es stört scheibar keinen (sowas gäbe es in Deutschland bestimmt nicht!). Die Finnen haben auch alle schon Winterreifen drauf und das hört man! Die finnischen Winterreifen haben nämlich kleine Metallspikes eingearbeitet, die sich auf der normalen Straße anhören, als würde das Auto über Kies fahren. Ist besonders schön, wenn morgens und Nachmittags der Berufsverkehr vor unseren Fenster vorbeirauscht...