Berichte von 10/2010

Vierundsechzigster bis Siebenundsechzigster

Sonntag, 24.10.2010

Am Donnerstag ging es dann mit der Fähre wieder zurück nach Helsinki. Dort haben wir zuerst unser Gepäch ins Hostel gebracht, das nur ein paar hundert Meter vom Hafen liegt. Anschließend ging es dann auch in Helsinki auf Sightseeing Tour! Allerdings auch wieder eine eigene. Ich hatte ja befürchtet, dass Helsinki nach einer Stadt wie Tallinn eher langweilig und enttäuschend sein würde, aber ganz im Gegenteil, Helsinki ist auch eine schöne Stadt! Es ist natürlich etwas mehr los als in Tallinn und nicht so stark auf Touristen ausgelegt. Trotzdem gibt es natürlich viele Souveniershops und wir haben beide Tage, die wir dort waren in der alten Markthalle mittag gegessen, in die scheinbar alle Touristen kommen. Wir waren teilweise umgeben von Deutschen und fast alle Schilder an den Ständen waren in Finnisch, Englisch und Deutsch ausgezeichnet.

Am Freitag sind wir mit der Fähre nach Soumenlinna gefahren, eine Insel vor Helsinki, auf die eine Festund zur Verteidigung der Stadt gebaut wurde. Diese kann man nun besichtigen. Es gibt dort eine eigene Kirche, die gleichzeitig auch Leuchtturm ist (oder war?), einige erhaltene Kanonen, das "King's Gate", ein Tor, vor dem das Schiff des Königs früher vor Anker lag, wenn er die Insel besuchte und einen Supermarkt für die 850 Bewohner dort. Ich hätte gerne noch mehr Zeit dort verbracht, doch weil wir noch nach Hause fahren wollten und es bitter kalt war (zugefrorene Pfützen und so...), haben wir den Besuch kurz gehalten.

Die Schnelle Zugverbindung zurück nach Vaasa war leider schon ausgebucht, als wir am Bahnhof ankamen, sodass wir eine Stunde auf den nächsten Zug warten mussten und am Ende über 4 1/2 Stunden unterwegs waren und völlig fertig zu Hause ankamen. Trotzdem hat sich dieser Trip auf jeden Fall gelohnt, auch wenn ich wahrscheinlich viel zu viel Geld ausgegeben habe... ;-)

Der Dom in HelsinkiBlick auf die Stadt von Soumenlinna ausEine der alten Kanonen, daneben ein Lager für SchiesspulverStraße in HelsinkiNochmal Straßen in HelsinkiPanorama vom Platz unterhalb des Doms. Die Bären sind ein internationales Kunstprojekt, und standen vorher in BerlinBahnhof in Helsinki

Sechzigster bis Dreiundsechzigster

Sonntag, 24.10.2010

Der Dienstag begann schon ziemlich früh, denn unser Zug Richtung Helsinki fuhr schon um 5:53 von Vaasa los. Wir hatten eine schnelle Verbindung erwischt und waren schon nach 3 1/2 Stunden da. Von Helsinki ging es dann auf einer ziemlich schaukeligen Fähre nach Tallinn.

Tallinn ist ein bisschen wie Weihnachtsmarkt. Zumindest in der Altstadt, die auch so ziemlich das einzige war, was wir von Tallinn gesehen haben. Man fühlt sich ein bisschen wie in einem Mittelalter-Film, denn an vielen Ecken stehen Stände, an denen Kostümierte Verkäufer gebrannte Mandeln anbieten, es gibt viele Stände, an denen Handarbeitssachen verkauft werden. Pullover, Socken, Schals, Mützen und alles, was man so aus Stoff und Wolle machen kann. Außerdem reiht sich ein Souveniershop an den nächsten. An den Rändern der Altstadt lässt sich aber erkennen, dass die neueren Teile der Stadt sehr anders aussehen, denn es ragen viele moderne Wolkenkratzer in den Himmel. Trotzdem hat mir Tallinn sehr gut gefallen. Wir haben sogar in einem mittelalterlichen Restaurant gegessen. Das Personal war mittelalterlich gekleidet, Essen war auch mittelalterlich und das ganze Ambiente war wirklich schön!

Eigentlich hatten wir geplant eine Stadtführung mitzumachen oder eine Führung durch die Tunnel unter der Altstadt oder ähnliches. Leider waren die Führungen nur auf den Sommer beschränkt, ausgebucht oder nur am Wochenende. Also mussten wir unsere eigene Stadtführung machen, was auch nicht schlecht war.

Handarbeitsstände in TallinnAltstadt vs. NeustadtEine der vielen kleinen GassenTallinn bei Nacht (oder eher Abend)

Sechsundvierzigster bis Neunundfünfzigster

Samstag, 16.10.2010

So, nach längerer Funkstille melde ich mich auch mal wieder...

Im Moment gibt es einfach nicht viel zu berichten aus Vaasa. Meine ersten Unikurse sind vorbei und ich geniesse die freie Zeit mit kleinen Radtouren, Besuchen in Second Hand-Läden und mit Ausschlafen.

Das Wetter ist im Moment sehr abwechslungsreich. Man merkt, dass wir Herbst haben, es sind noch um die 5°C oder kälter, wir haben viel Sonne, aber auch mal Regen oder... Schnee. Tatsächlich hat es vor ein paar Tagen geschneit und gestürmt, abends dann noch gehagelt und weiter gestürmt. Die Hagelkörner sind dann tatsächlich auch bis zum Morgen liegen geblieben, sodass es aussah wie verschneit. Ich bin mal gespannt, ob es noch richtig schneit und der Schnee liegen bleibt, so lange ich noch hier bin. Der wirkliche Winter kommt normalerweise, genau wie in Deutschland meistens, erst im neuen Jahr.

Nächste Woche geht es mit den üblichen (deutschen) Verdächtigen wieder auf Reisen. Es geht diesmal nach Helsinki und von dort aus mit der Fähre nach Tallinn. Dort werden wir zwei Nächte bleiben, wieder zurück nach Helsinki fahren und uns dann noch Helsinki angucken und dort eine Nacht bleiben. Ich hoffe mal, dass das Wetter da nicht auch so unberechenbar ist, wie hier...

Zum Abschluss noch ein paar Fotos aus den letzten Tagen!

Herbst hinter dem WohnheimSonnenuntergang am MeerVaasa 'Skyline' (oder so ähnlich :) )Nochmal SonnenuntergangIch winterlich :)Der Eingang zum Wohnheim, in dem ich wohneNächtlicher Blick aus meinem Fenster... Leider kein Schnee auf der Straße, sondern Hagel

Zweiundvierzigster, Dreiundvierzigster, Vierundvierzigster und Fünfundvierzigster

Samstag, 02.10.2010

Die letzten Tage war schon etwas mehr los hier in Vaasa und umzu, als die Zeit davor...

Am Mittwoch war Initiation Rite für die neuen Studenten in Vaasa. Das bedeutet, man versammelt sich in der Stadt, schwört den Eid ("Ich werde so viel trinken wie möglich, meine Uni repräsentieren und so weiter", oder so ähnlich). Dann ging es in Gruppen und mit schicken weißen Müllsäcken bekleidet in einen Park, wo die Tutoren mit allerlei Spielen auf uns warteten. Diese Spiele bestanden aus Pantomime, Geschicklichkeitsspielen und Ähnlichem, aber immer mit dem Ziel den Spieler möglichst zu blamieren und Spaß zu haben. Nach den Spielen wurde die Gruppe bewertet in Performance, Gruppenzusammenhalt und Bestechung derjenigen, die das Spiel organisiert hatten - mit alkoholischen Getränken, Massagen und Süßigkeiten. Der ganze Spaß dauerte so ziemlich den ganzen Nachmittag (es gab viiiele Spiele), bevor es dann zur Uni ging, wo dann der "krönende Abschluss" stattfand. Da ich allerdings nicht wirklich nur mit Unterwäsche (wahlweise auch ohne) und meinem Müllsack bekleidet und mit verbundenen Augen eine seifige Plastikplane den Berg runterrutschen wollte, habe ich mir das Spektakel lieber aus sicherer Entfernung angeguckt. Diejenigen, die mitgemacht haben wussten allerdings natürlich nicht, was da mit ihnen geschah, da sie vorher ein bisschen verwirrt wurden, indem sie sich mit verbundenen Augen Schnüre entlang tasten mussten. Außerdem wurden die Taage vorher fleißig Gerüchte gestreut, dass die älteren Studenten die neuen ins Meer werfen würden... War dann aber wohl nur halb so schlimm.

Einige Studenten in ihren Müllsäcken, links ein Tutor, erkennbar an der Roten Hose.Mein Müllsack und ich :)Eins der Spiele, wir mussten die arme nackte Dame mit unseren Klamotten einkleiden...Der Abschluss...

Für Freitag wurde von der Uni aus ein Trip nach Ähtäri in den Zoo angeboten. Schon um 7:45 fuhren die Busse im dichten Nebel an der Uni los. Die letzten Tage war es morgens etwas nebelig, am Donnerstag kam aber ab mittags die Sonne raus. Allerdings stellten sich für Freitag zwei Dinge heraus: In beiden Bussen funktionierte die Heizung auf der Hinfahrt nicht (2 1/2 Stunden Fahrt übrigens) und der Nebel verzog sich den gesamten Tag nicht!

Der Zoo war allerdings toll, im Wald gelegen und mit den für diese Region typischen Tieren, wie natürlich Elchen, Rentieren, Bären und Rehen ausgestattet. Allerdings auch ein Haus voller Eulen, weiterer Vögel und ein paar Wassertieren. Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt, vor allem weil der Eintritt auch nur 8€ kostete und der Bus komplett kostenlos war. Auf der Rückfahrt funktionierte auch die Heizung und so wurde die Rückfahrt durch den Nebel zumindest nicht kalt. Wir haben noch einen Abstecher zum zweitgrößten Einkaufszentrum Finnlands, mit angeschlossenem Hotel und Minigolfanlage, gemacht. Da wir allerdings nicht viel Zeit hatten, blieb es bei "eine Runde mit dem Bus über den Parkplatz fahren". Das Einkaufszentrum ist aber nicht etwa in einer großen Stadt (wie das größte in Finnland in Helsinki ist), sondern in einem winzigen Ort! Und trotzdem strömen die Leute da hin und kaufen, bis das Auto voll ist!

Bären im ZooEin See im Zoo. Wie man sieht: herbstlich und nebelig!

Am Samstag sind Carolin und ich morgens in die Stadt gefahren, um uns mit Kleidung auf den Winter vorzubereiten. Der erste Stop war ein Army Shop (mit angeschlossenem Antiquitätenhandel), aus dem wir allerdings so schnell wie wir reinkamen auch wieder gingen. War weder unser Stil noch unsere Preisklasse...

Als nächstes kamen zwei Second Hand Läden. Einen finnischen Second Hand Laden muss man sich so vorstellen wie einen recht großen Flohmarkt in einer Halle. Man kann hier Regale mieten, um seine Sachen zu verkaufen. Allerdings muss man seinen "Stand" nicht weiter betreuen, bezahlt (und nicht gehandelt) wird an der Kasse. Von Kleidung über Schallplatten, Kinderspielzeug, Büchern und allem möglichen Krimskrams gibt es alles. Da wir nicht so viel Zeit hatten, haben wir uns fest vorgenommen, demnächst nochmal wieder zu kommen.

Da wir auch noch Schuhe suchten, sind wir dann noch in ein normales Einkaufszentrum gegangen. Ich habe jetzt tatsächlich (ziemlich teure aber hoffentlich warme und trockene) Winterschuhe. Jetzt kann der Winter kommen! Oder... naja, vielleicht wartet er ja noch ein bisschen...

Den Nachmittag hatten wir dann einen kleinen Vorgeschmack auf Winter, denn einige der Tutoren hatten für uns Austauschstudenten eine Fahrt zum Eishockey organisiert. Vaasa hat ein eigenes Stadion und natürlich einen eigenen Verein, der heute gegen Jyväskylä spielte. Vaasa hat natürlich 4:1 gewonnen und die Finnen können ganz schön laut werden, wenn es um Fangesänge geht! Das letzte Drittel der Spielzeit haben wir im "Fanblock" von Vaasa gestanden und die Stimmung war echt klasse! Eishockey ist auch toll zum Zugucken (ich war ganz froh, nicht da unten auf dem Eis zu sein, wenn die Spieler sich und andere gegen die Bande gerammt haben), weil immer Action ist und alles unglaublich schnell geht. Spielerwechsel finden ständig statt und so schnell, dass ich es meistens gar nicht mitbekommen habe. Aber ich würde mir so ein Spiel jederzeit wieder angucken, das war die kalten Zehen wirklich wert!

Eishockey!Vaasa in rot, Jyväskylä in weiß (und natürlich der Schiedsrichter in gestreift)

In other news: Wir haben jetzt unsere Fahrt nach St. Petersburg gebucht! Am 18.11. geht es los, mit der Fähre ab Helsinki! Ich freu mich schon!