Berichte von 09/2010

Vierunddreißigster bis Einundvierzigster

Mittwoch, 29.09.2010

Aus Platzgründen gibt es ab jetzt kürzere Titel und aus nichts-passiert-Gründen einen kürzeren Eintrag.

Ich habe schon länger nichts mehr geschrieben, das liegt einfach daran, dass die letzte Zeit nicht viel spannendes passiert ist. Der finnische Unialltag ist da und läuft so vor sich hin. Meine drei Kurse mit jeweils vier Stunden die Woche laufen gut und nur noch diese und nächste Woche. Dann habe ich zwei Wochen frei, bevor Klausurenwoche ist. Die habe ich allerdings auch frei, denn ich schreibe meine Klausuren erst im Dezember.

Das Wetter hier ist im Moment toll, klar blauer Himmel, viel Sonnenschein aber Temperaturen von 6 bis 10° tagsüber. Nachts war es die letzten Tage allerdings auch mal bis zu 2° kalt. Geregnet hat es letzte Woche, besonders letztes Wochenende auch ordentlich. Ich brauche dringend Wasserdichte Schuhe, ich habe am Freitag im Regen auf dem Weg zum etwa 400m entfernten Supermarkt schon gleich einen nassen Zeh bekommen... Am Wochenende werde ich dann mal in die Stadt fahren und gucken, was Finnlands Schuhmode so hergibt.

 Letzte Woche war abends in der Innenstadt auch noch richtig was los, es war nämlich Wasa by Night (nicht über die Schreibweise wundern, Vaasa wurde nach dem schwedischen König "Wasa" benannt. Der finnische Name ist Vaasa, der schwedische ist Vasa oder Wasa). Wasa by Night ist eine Aktion der Kneipen hier in der Stadt. Es geht darum, an einem Tag in acht verschiedenen Bars etwas zu trinken, um dann ein T-Shirt zu bekommen. Dafür gibt es eine Stempelkarte, auf der man für jedes Getränk einen Stempel bekommt. Hat man acht Stempel voll, sollte man eigentlich die Karte abgeben und sein T-Shirt bekommen. Allerdings waren alle T-Shirts bereits weg, als wir unsere acht Getränke getrunken hatten (wir hätten vielleicht überall nur einen Kurzen für 4€ trinken sollen...). Allerdings kann man sich sein  Shirt nachbestellen und es in etwa einem Monat irgendwo abholen. Ich drücke die Daumen.

Ansonsten gibt es wirklich nicht viel zu erzählen, außer dass der Herbst  hier endgültig eingetroffen ist. Es gibt bunte Blätter und Laub auf dem Radweg und kalten Wind. Aber wenn die Sonne scheint, sieht alles echt schön aus! Außerdem hoffe ich, dass das Wetter gut bleibt, zumindest bis Freitag, weil wir da von der Uni aus in den Zoo nach Seinajöki fahren... Und am Samstag haben ein paar Tutoren einen Ausflug zum Eishockeyspiel organisiert, damit wir mal etwas typisch finnisches sehen und das Team ein bisschen anfeuern.

Zum Schluss noch ein paar Fotos aus den letzten Tagen!

Herbst in VaasaSchöner Sonnenuntergang am StrandHalb versunkenes Schiff im Hafen hinter der Uni... und nochmal

Neunundzwanzigster, Dreißigster, Einunddreißigster, Zweiunddreißigster und Dreiunddreißigster

Montag, 20.09.2010

Stockholm ist toll!

 Aber von Anfang an... Am Donnerstag mittag ging es mit dem Zug los nach Turku, denn von dort aus ging abends unsere Fähre Richtung Schweden. Die Zugfahrt dauerte zwar gut fünf Stunden, aber da wir zu sechst unterwegs waren, wurde es nicht langweilig. Mit dabei waren wieder die üblichen (deutschen) Verdächtigen, mit denen wir schon in Tampere waren, Plus die weitere Deutsche, die in dem kleinen Ort in der Nähe von Vaasa studiert.

Die Fähre kam mir weniger wie eine Fähre vor, sondern war im Grunde ein kleines Dorf. Es gab einen Tax-Free-Shop mit jeder Menge Alkohol, Süßigkeiten, Kosmetik und tiefgefrorenem Fleisch. Außerdem diverse Bars und Restaurants, eine Disco und ein Casino. Weiter unten gab es dann jede Menge Kabinen. Wir hatten für die Hinfahrt eine Vierer- und eine Zweierkabine. Wenn die Betten ausgeklappt waren, konnte man kaum zwei Schritte machen, aber dafür hatten wir in der Viererkabine ein eigenes Bad mit Dusche. 

Alkohol im Tax-Free-Shop!

Bevor wir dann schlafen gegangen sind, haben wir uns in eine Bar gesetzt, die eine Sängerin und einen Keyboarder, die zusammen Finnische und Englische "Tanzmusik" spielten als Unterhaltung auf der Bühne anbot. Aber wer jetzt denkt "die Finnen sind doch so reserviert und zurückgezogen, da war bestimmt niemand" liegt damit völlig falsch. Wenns ums Tanzen geht, sind die Finnen scheinbar kaum zu halten! Nicht umsonst sind ist der finnische Tango so berühmt...

Das Schlafen auf dem Schiff ist nicht viel anders, als in einem normalen Bett, zumindest für mich. Während die anderen von furchtbarem Seegang mitten in der Nacht erzählt haben, konnte ich mich nicht beteiligen außer mit "Ich bin zwar ein paar mal aufgewacht, aber habe mich dann umgedreht und habe weitergeschlafen". 

Trotzdem immernoch ein bisschen müde sind wir dann in Schweden angekommen. Das erste Problem stellte sich gleich, als wir mit dem Bus in die Stadt fahren wollten. Die Schweden haben natürlich keinen Euro. Und sie haben scheinbar etwas gegen die Meastro-EC-Karten. Zum Glück hatte der Rest der Gruppe jeder eine Kreditkarte, also hat immer, wenn ich nicht bezahlen konnte jemand anders für mich bezahlt. Vielen Dank an die lieben Mitreisenden an dieser Stelle!

Stockholm hat sich gleich von der besten Seite gezeigt, nämlich einem tollen Sonnenaufgang!

Stockholm im SonnenaufgangStockholm im Sonnenaufgang Teil 2

Das Hostel war relativ schnell gefunden, hatte aber noch nicht offen, daher haben wir einen Kaffee getrunken, bis wir unser Gepäck dort zwischenlagern und zur ersten Erkundungstour aufbrechen konnten. Das Hostel liegt mitten in der schönen Altstadt und war auch recht sauber und gemütlich. Im Aufenthaltsraum im Keller gibt es sogar eine Küche, in der man sich Tee, Kaffee und Nudeln auf Kosten des Hauses kochen kann und es gibt zwei Computer mit Internet. 

Kleine Gasse in Old Town Die Markthalle, die furchtbar nach Fisch riecht, aber echt toll aussieht!

Nach ausgiebigem Sightseeing (bei genialem Wetter! Die Sonne schien zwar nicht die ganze Zeit, aber es blieb trocken) ging es abends noch in die Ice Bar, eine Bar, in der alle Wände und Theken aus Eis bestehen. Man bekommt am Eingang einen warmen "Mantel", der nicht besonders toll aussieht, klebt und durchgeweichte Handschuhe beinhaltet, aber trotzdem irgendwie recht warm hält. Und man kann in der Bar natürlich  kalte Getränke aus Gläsern aus Eis trinken! War schon sehr lustig und bevor es zu kalt wird war unsere Zeit in der Bar noch 40 Minuten abgelaufen, weil schon die nächste Gruppe reinwollte.

Das bin ich in meinem hässlichen Umhang!Vorn vorn: Lisa, Carolin, Gabi, Alida und JessicaDie Straße vor dem Hostel, als wir nachts nach Hause kamen.

Der Samstag begann dann auch ziemlich früh nach einer Nacht in quietschenden Hostelbetten. Wir fuhren mit der Fähre auf eine der Inseln bei Stockholm, auf der es den Skansen-Park gibt, ein Museum mit vielen typisch schwedischen Häusern, alten und neuen, einem Marktplatz und einem Tierpark mit nordischen Tieren wie Elchen, Rentieren, Bären und vielen weiteren. 

HäuschenMein erstes Rentier, dass ich live gesehen habe!... und der erste Elch!Der Bär zeigt mal, was er von den ganzen schaulustigen Leuten mit Kameras hält...

Es war den ganzen Tag schon bewölkt und mittags fing es dann auch ziemlich an zu regnen, sodass wir uns kaum aus dem Restaurant  trauten. Eigentlich war Vasa-Museum und Astrid Lindgren-Museum geplant, aber wegen des Wetters und der knappen Zeit bis abends unsere Fähre fahren sollte schafften wir es nur triefend nass ins Vasa Museum. Aber auch das war bereits ziemlich beeindrucken. 

Das Museum ist im Grunde um das schwedische Kriegsschiff Vasa, das 1628 sank, gebaut. Das Schiff wurde vom schwedischen König im Dreißigjährigen in Auftrag gegeben und war als größtes Kriegsschiff geplant. Während des Baus gab es Informationen, dass die Feinde ein ähnlich großes Schiff bauten, sodass der König gerne die doppelte Menge an Kanonen an Bord haben wollte. Allerdings wurde das Schiff dadurch schwerer und instabiler, sodass es leicht in Schräglage geriet und viel zu tief im Wasser lag. Bei der Jungfernfahrt schaffte es die Vasa also nicht einmal aus dem Stockholmer Hafen, bevor sie sank.

Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde das Schiff geborgen nach über 300 Jahren unter Wasser und ist jetzt in dem Museum (leider nur) von außen zu bestaunen. 

Das Schiff in der Mitte des Museums...... man kann es von sieben unterschiedlich hohen Ebenen aus bestaunen

Nach dem Vasa Museum holten wir unser Gepäck aus dem Hostel, gingen noch einen Kaffe trinken und dann zum Hafen, um mit der Fähre wieder nach Turku zu fahren. 

Diese Fahrt war etwas abenteuerlicher, als die Hinfahrt. Wir hatten leider keine Zweierkabine mehr bekommen und hatten nur einen Viererkabine für sechs Leute. Das heißt eine Person konnte durchschlafen und die anderen haben in Schichten geschlafen. Lisa und ich gingen gleich nach dem Ablegen um neun ins Bett und wurden dann um eins wieder geweckt. Allerdings ist das scheinbar nicht die beste Uhrzeit, um auf so einer Fähre wach zu sein. Es waren zwar nicht viele andere Leute unterwegs, der Tax-Free-Shop und die Bars hatten größtenteils zu, aber einige Betrunkene mit Redebedarf gibt es dann doch noch. Es war aber trotzdem unglaublich lustig und die Zeit bis zum Anlegen verging schließlich doch irgendwie.

Wieder verschlafen und müde kamen wir dann in Turku an und vier von uns verwarfen die Turku-Sightseeing-Pläne schnell und wollten dann möglichst bald mit dem Zug zurück nach Vaasa fahren. Aber auch die beiden Sightseer haben später berichtet, dass Turku ziemlich unspektakulär gewesen sei, zumindest wenn man die vorigen Tage in Stockholm verbracht hat...

In Vaasa angekommen sind Lisa und ich noch in das gute und günstige Pizza-Lokal gegangen, bevor ihr Bus in das kleine Dörfchen wieder fuhr.

Der heutige Montag war dagegen ziemlich unspektakulär und bestand nur aus einer Vorlesung, Wäsche waschen und Einkaufen. Aber die Erholung tat schon ganz gut nach dem Wochenende!

Zweiundzwanzigster, Dreiundzwanzigster, Vierundzwanzigster, Fünfundzwanzigster, Sechsundzwanzigster, Siebenundzwazigster und Achtundzwanzigster

Mittwoch, 15.09.2010

Jetzt habe ich aber schon länger nichts mehr geschrieben... Aber keine Sorge, hier ist noch immer alles in Ordnung!

Unser Tampere-Trip war toll! Wir hatten am Freitag Glück mit dem Wetter, eine Weile war der Himmel ganz blau, später dann bewölkt. Aber trotzdem zu warm für eine Jacke. Wir haben eine Menge gesehen und sind vermutlich etliche Kilometer gelaufen (haben zumindest meine Füße abends gesagt).

Angefangen haben wir beim Muuminmuseum, was mich jetzt nicht wirklich beeindruckt hat, aber ich habe damit auch keine Kindheitserinnerungen verknüpft. Daher war es für mich eine Sammlung ganz niedlicher Zeichnungen und Figuren mit einem hoffnungslos überteuerten Souvenier-Shop. Aber einige aus der Gruppe und unsere beiden Gastgeber, Janine und Christin (die mit Carolin und mir in Hildesheim studieren) waren sehr begeistert.

Tampere vom Aussichtsturm aus, links der andere Turm.Blauer Himmel :)Nochmal Tampere.

Nach dem Museum wurde es dann aber schon interessanter, wir sind den höchsten Muränenhügel Südfinnlands (oder so?) hochgewandert und mit einem altersschwachen Fahrstuhl einen Aussichtsturm hochgefahren und haben die Aussicht genossen. In Tampere gibt es zwar noch einen weiteren Aussichtsturm, der tatsächlich der höchste in Finnland ist, aber unsere Gastgeberinnen sagten, der auf dem wir waren, sei viel schöner. 

Nach dem Aussichtsturm waren wir (wieder mal) bei Hesburger, der finnischen Antwort auf McDonald's essen und haben uns die Innenstadt zeigen lassen. 

Morgens sind wir zu fünft nach Tampere hingefahren und wärend drei von uns sich abends eine Feuershow angeguckt haben und die Nacht im Hostel verbrachten, sind wir zu zweit wieder nach Vaasa gefahren. Die Show hätte 22€ Eintritt gekostet und das Hostel auch noch einmal etwas über 20€ für eine Nacht (im 16-Leute Zimmer). Und ich bin sicher, dass ich die 40€ nochmal woanders loswerde...

 Der Samstag war dagegen wesentlich weniger interessant. Ich war kurz einkaufen und habe was für die Uni (noch für die in Hildesheim...) gemacht. Es war schon ein bisschen merkwürdig, das erste mal alleine im Apartment zu sein, da Carolin und die anderen beiden erst abends aus Tampere zurückkamen.

Am Samstag abend, als die Reisenden dann wieder eingetroffen waren, haben wir uns um die letzten Planungen für unseren Stockholm-Trip gekümmern. Habe ich noch nicht geschrieben?! Morgen mittag geht es von Vaasa mit dem Zug los nach Turku, von dort aus mit der Fähre (und Schlafkabine) über Nacht nach Stockholm! Da haben wir dann den gesamten Freitag Zeit zum Sightseeing, verbringen die Nacht im Hostel, werden den gesamten Samstag auch wieder rumlaufen, abends dann mit der "Partyfähre" und einem Haufen betrunkener Finnen (in Schweden ist der Alkohol billiger) zurück nach Turku fahren und haben Sonntag noch Zeit, um uns Turku anzugucken, wenn unsere Füße noch mitmachen und wir nicht zu müde sind. Ich hoffe mal ganz stark, dass das Wetter mitspielt, heute hat es nämlich in Vaasa angefangen zu regnen und ich glaube, so richtig spaßig wird Stockholm bei Regenwetter auch nicht werden. Der Wetterbericht macht mir da allerdings keinen Mut.

Der Rest der letzten Woche ist recht ereignislos gewesen, die Uni hat wie gesagt begonnen, die Kurse, die ich bis jetzt habe, sind in Orndnung und das Mensaessen ist lecker. Das tollste am Mensaessen ist, dass es ein Getränk (Saft oder Milch), Wasser so viel man möchte, ein bis zwei Scheiben Brot mit Butter und einen Teller Salat immer kostenlos dazugibt. Vielleicht sollte man das in Hildesheim auch mal anregen...

 Der Vorlesungssaal, in dem die meisten meiner Kurse stattfinden.

Am Montag ist auch mein Paket aus der Heimat angekommen. Das heißt, ich habe jetzt auch warme Sachen zum Anziehen und Beleuchtung zum Radfahren! Und zwei Tafeln deutscher Schokolade... Danke nochmal! Außerdem habe ich ein paar Fotos per Mail bekommen und bin beeindruckt, wie sommerlich das zu Hause noch aussieht! Hier wird es schon Herbst, die Blätter werden bunt und das erste Laub liegt auf den Radwegen... Aber die Temperaturen sind noch ganz erträglich (wenn es nicht gerade regnet und/oder stürmt) bei 13-16°C.

Und noch eine weitere kleine Liste an typisch finnischen Dingen:

Geld

In Finnland gibt es natürlich auch den Euro. Allerdings gibt es keine 1 und 2 Cent-Stücke. Preise sind zwar gerne mal mit 2,73€ ausgezeichnet, aber wenn es ans Bezahlen geht, wird einfach aufgerundet auf 2,75€. Tatsächlich habe ich mir erzählen lassen, dass 1 und 2 Cent-Stücke an der Kasse gar nicht angenommen werden.

Im Restaurant gibt man übrigens auch kein Trinkgeld, vielleicht ist das ja schon in den gerundeten Preisen mit drin...

Brot

Wenn wir gerade schon beim Essen sind... Hier gibt es keine Bäcker, wie man sie aus Deutschland kennt. Allerdings hat jeder Supermarkt mehrere Regale mit Brot in allen Variationen. Allerdings gibt es fast nur weiches Brot, das die Konsistenz von deutschem "Brot vom Vortag" einen weiteren Tag später hat. Schmeckt aber trotzdem ganz gut, wenn man sich daran gewöhnt hat. Und in der Mensa gibt es oft auch frisches Brot.

Saft

Auch beim Saft gibt es riesige Auswahl an Sorten. Natürlich viel mit Beeren, aber auch viele exotische Sorten mit Ananas oder Mango zum Beispiel. Der Saft hat dabei meistens den gleichen Preis, wie der in Deutschland.

Sprache (wieder mal)

Merkt ein Finne, dass man kein Finnisch spricht, redet er natürlich Englisch mit einem. Leider kann man dann im Supermarkt kaum sein bisschen gelerntes "Kiitos" anwenden. Außerdem können scheinbar viele Finnen deutsch, würden es aber niemals zugeben (so lange sie eine Sprache nicht perfekt beherrschen, können sie sie in ihrem Verständnis gar nicht). Daher muss man sehr vorsichtig sein, was man so sagt, wenn Finnen anwesend sind... 

So, bestimmt fallen mir noch weitere solcher Dinge auf, die kommen dann nach und nach auch hier in den Blog!

Zwanzigster, Einundzwanzigster und Zweiundzwanzigster

Donnerstag, 09.09.2010

Die Uni hat tatsächlich richtig begonnen! Noch war es sehr entspannend, am Dienstag und Mittwoch jeweils zwei Verantaltungen und Donnerstag, also heute steht mir noch eine bevor.

Dienstag begann um 12 Uhr mit "Introduction to intercultural communication and intercultural Studies". Der Dozent ist Finne, spricht aber sehr gut Englisch und gestikuliert viel. Zum Glück werden wir für die Veranstaltung keine Klausur schreiben müssen, wir müssen ein "Lecture Diary", schreiben, also jede Vorlesung auf einer A4-Seite zusammenfassen und am Ende abgeben. Dazu gibt es noch ein "take-home exam", ein Fragebogen zum zu Hause ausfüllen.

Später hatten wir dann noch das erste mal den "Survival Finnish"-Kurs und es war super! Die Lehrerin ist recht jung und sehr nett. Sie macht den Kurs mit viel Humor und erzählt mit sehr viel selbstironie über die Verhaltensweisen der Finnen. Die ersten Wörter, die wir gelernt haben sind wohl auch die wichtigsten, Kiitos - Danke, Ole Hyvä - Bitteschön, Anteeksi - Entschuldigung. Die Finnen benutzen diese Wörter angeblich nicht so oft wie sie sollten, aber wenn wir das tun haben wir bei ihnen gleich als "besonders höflich" einen Stein im Brett!

Mittwoch haben wir uns um 9 in die "International Management" Vorlesung gesetzt, um sie uns einmal anzugucken. Und auch wenn der Dozent sehr nett ist, Brite ist und ein ganz kleines bisschen aussieht wie David Tennant werde ich den Kurs nicht machen. Nach International Management hatten wir unsere zweite Vorlesung in [...] Intercultural Communication [...], die schon etwas komlizierter wurde, als die von Dienstag. Der Dozent hat scheinbar neben seinem Hang zum Gestikulieren auch einen zum Abschweifen in seinen Erzählungen. Allerdings sagt er immer bescheid, sobald er wieder zum Punkt kommt!

Abends sind wir noch zu dritt ins "El Gringo" gegangen, eine Rockkneipe in der Innenstadt, in der es öfter Livemusik gibt. Es spielten dann ab 22 Uhr auch zwei Metalbands, die erste hatte sogar finnische Texte! Sie haben mir beide sehr gut gefallen, auch wenn Metal normalerweise nicht mein Ding ist. 

Morgen geht es ganz früh zum Bahnhof, denn wir fahren um 6:22 mit dem Zug nach Tampere, den Gegenbesuch bei den beiden Hildesheimerinnen machen, die uns letzte Woche besucht haben.

Außerdem scheint das Wohnheim hier Jagdrevier für die Zeugen Jehovas zu sein. Heute haben schon wieder welche geklingelt, das ist schon das zweite mal, seitdem wir hier sind...

Sechzehnter, Siebzehnter, Achtzehnter und Neunzehnter

Montag, 06.09.2010

Die Bibliotheksführung stellte sich weniger als Führung sondern vielmehr als Vortrag heraus. Was aber trotzdem nicht schlecht, uns wurde vor allem die Webseite der Bibliothek erklärt, und wie wir unsere Bücher wo in der Datenbank bekommen. Betreten mussten wir die Bibliothek dafür allerdings nicht.

Nachmittags bekamen wir Besuch aus Tampere von zwei Mädels, die mit uns in Hildesheim studieren. Es war allerdings ziemlich kalt und windig, sodass wir uns eigentlich nur von einem Innenraum zum nächsten bewegt haben (Pizzeria - Café - Supermarkt - ...). Eigentlich hätten wir den beiden gerne die Uni und unser Apartment gezeigt, aber dafür hätten wir viel zu lange draußen in der Kälte herumlaufen müssen. Auf dem Marktplatz von Vaasa war allerdings passenderweise auch Herbstmarkt, auf dem es von Schuhen über Handschuhe und Mützen bis zu Gebäck und natürlich Lakritze alles zu kaufen gab. Allerdings war der Markt nicht groß, daher sind wir mehrmals drübergelaufen und waren trotzdem nicht allzu lange draußen. Die Stände mit Mützen und Handschuhen waren allerdings sehr verlockend bei dem sher herbstlichen Wetter. Hätte eine Mütze nicht 30€ oder ein Paar Handschuhe 25€ gekostet, hätte ich mir eigentlich gerne warme Sachen gekauft...

Warme Handschuhe...Beeren und Pilze...

Am Samstag sah es dann aber schon ganz anders aus. Nachdem es am Vormittag noch bewölkt war, verzogen sich mittags die Wolken und die Sonne schien! Perfektes Wetter für unseren kleinen Trip nach Björkö!

Leider verzögerte sich die Abfahrt ein bisschen, weil wir noch auf ein Mädchen warten mussten, die aufgrund der schlechten Busverbindungen nach Vaasa trampen musste. Nachmittags sind wir dann aber doch losgefahren und nach einer halben Stunde Taxifahrt kamen wir auch an unserem Mökki an. 

Die Vermieterin fuhr uns dann mit ihrem Auto zum Hafen, etwa 2km vom Mökki entfernt. Dort konnten wir mit einem kleinen Boot ein bisschen Paddeln und sind anschließend auf einen Aussichtsturm geklettert und haben die wunderschöne Aussicht über die Schäreninsel(n) genossen.

Ein Stück des Hafens, im Hintergrund der Aussichtsturm.Ich auch dem Turm. Es war windig.Ein Stück Aussicht über Inseln und Wasser.

Zurück am Mökki haben wir die mitgebrachten Nudeln gekocht und gegessen und die Zeit mit Sauna und Kartenspielen verbracht (Karten aber außerhalb der Sauna!).

Am nächsten Tag haben wir einen langen Spaziergang durch Björkö gemacht. Björkö gehört zwar zu Finnland, aber während zum Beispiel in Vaasa der Anteil der schwedischsprachigen Bewohner etwa 25% ist, ist er in Björkö wesentlich höher. Bis vor einigen Jahren hatte es dort keinen einzigen Finnen gegeben, hat unsere Vermieterin erzählt, ihr Mann war der erste Finne, der "eingewandert" ist.

Der kleine Ort ist wunderschön und idyllisch. Allerdings ist deutlich zu merken, dass er nur auf Sommergäste ausgelegt ist (in Finnland ist von Öffnungszeiten her schon Winter). Die Kirche hat nur bis Mitte August geöffnet und in Dorf trifft man kaum Leute.

Neben der Kirche hat Björkö auch eine Mühle, das ist ja schon fast wie zu Hause...

Um 17 Uhr holte uns unser Taxi auch wieder ab und brachte uns zurück nach Vaasa.

Die 'Wir' von denen ich immer schreibe vor dem Mökki!

Der Montag war gegen das Wochenende etwas enttäuschend. Um 12 Uhr sollte es eine Campusreally geben, in der wir mit drei Deutschen in einer sonst finnischen Gruppe waren. Die Finnen haben allerdings wenig interesse daran gehabt, uns zu erklären, warum wir überhaupt gerade machen, was wir machen (kreuz und quer über das Unigelände laufen, Treppen rauf und Treppen runter, irgendwas suchen etc.). Auch nachfragen brachte nicht viel und so haben wir dann aufgegeben und uns lieber in die Sonne gesetzt und die Finnen weiter ihre geheimnisvollen Aufgaben erledigen lassen.

Nach dem Essen in der Mensa sind wir dann zum Strand, denn einige Verrückte hatten sich vorgenommen Schwimmen zu gehen.Bei einer Außentemperatur von 17° und seehr kaltem Wasser. Mir reichte es völlig, mit den Füßen rein zu gehen, das war bereits kalt genug...

Morgen geht dann tatsächlich auch die Uni los! Von 12 bis 14 Uhr habe ich "Introduction to intercultural studies and intercultural communication" und von 16 bis 18 Uhr "Survival Finnish". Ich bin schon sehr gespannt!

Zwölfter, Dreizehnter, Vierzehnter und Fünfzehnter

Donnerstag, 02.09.2010

Die Einführungswoche ist schon fast vorbei! Sie begann damit, dass wir am Montag von 10 bis 16 Uhr in einem Hörsaal saßen und uns einen Vortrag nach dem anderen angehört haben (natürlich mit Mittagspause und kostenlosem Mensaessen dazwischen!). Vom hiesigen Auslandsamt über unseren Vermieter bis zu einzelnen Dozenten, die ihren Fachbereich vorgestellt haben war so ziemlich alles dabei. 

Die Hörsäle hier sind zwar groß und sehen ganz gut aus (und haben gepolsterte Sitze), haben aber kein einziges Fenster.  Und das bei dem Meeresblick den man eigentlich hätte!

Einsame Carolin im großen Hörsaal

 Abends haben wir dann noch versucht den Sonnenuntergang zu jagen und Fotos zu machen, um dann allerdings festzustellen, dass er sich hinter Bäumen versteckt hielt. Trotzdem sind ein paar schöne Bilder entstanden!

Ein kleiner Hafen

 Dienstag ging es dann ähnlich los wie Montag, weitere Vorträge, aber nur bis zum frühen Nachmittag. Das Mittagessen mussten wir allerdings selbst bezahlen. Dafür hat man aus der Mensa echt einen tollen Ausblick...

 Das hoffnungslose überlichtete Weiße ist übrigens Wasser!

 Der Mittwoch begann mit frühem Aufstehen, da wir uns für den Survival Finnish-Kurs anmelden wollten und die Liste um 10 Uhr ausgehängt werden sollte. Als es dann 10 Uhr war ging das Gedränge los, denn wir waren nicht die einzigen, die unbedingt einen Platz in einem der Kurse wollten. Nachmittags erzählte mir jemand, dass bereits alle Kurse und Wartelisten voll seien... Gut, dass wir noch Plätze bekommen haben!

Mittags haben wir eine von der Uni organisierte Stadtrundfahrt mit dem Bus gemacht. War auch sehr schön, auch wenn wir viel bereits vorher gesehen hatten. Wir sind zum Beispiel in Old Vaasa gewesen und an der Replot-Brücke, aber es war interessant von einer netten Reiseführerin noch die Hintergründe und ein bisschen was zur Geschichte erzählt zu bekommen!

Nachmittags gab es dann noch Finnische Sommerspiele auf dem Campus zu spielen! Die Tutoren haben einige verschiedene Spiele organisiert und aufgebaut, die in kleinen Gruppen gespielt wurden. Es gab Boule, Croquet, Klötzchen umwerfen nach Punkten (habe leider den finnischen Namen vergessen) einiges Andere und natürlich Gummistiefelweitwurf!

 Heute haben wir von der Uni nur noch zwei Vorträge zum Thema Kulturschock und Leben in Finnland gehört, die mir beide sehr gut gefallen haben! Beide wurden von Dozenten von der Uni gehalten, die ich leider wohl in keinem Kurs haben werde. Aber ich habe mich sehr amüsiert und freue mich noch ein bisschen mehr auf die Zeit, die noch vor mir liegt!

Ein etwas leidigeres Thema, das uns alle seit Montag begleitet ist der Stundenplan. Der ist nämlich gar nicht mal so einfach zusammen zu stellen. Die meisten Kurse dauern hier nur vier oder fünf Wochen, nicht wie in Deutschland ein ganzes Semester. Dafür finden die Kurse meistens zweimal die Woche für jeweils zwei Stunden statt. Das führt unweigerlich zu Überschneidungen mit anderen Kursen, die hier aber scheinbar völlig normal sind. Man muss sich eben nur entscheiden, zu welchem der Kurse man zur betreffenden Zeit geht!

Ein weiteres Problem ist, dass sich Vaasa auf Business Studies, also BWL spezialisiert hat, und ich mich davon gerne so weit wie möglich fernhalten möchte. Allerdings bedeutet das, dass  die Auswahl an anderen Kursen nicht so groß ist. Wir werden und auf jeden Fall mehrere Kurse ausprobieren und anschließend aussortieren, was nicht gefällt.

Das System, mit dem man sich seinen Studenplan organisiert ist  komplett auf finnisch, was sich als weitere Herausforderung herausstellte. Aber mit googleTranslate geht alles und so langsam merkt man sich auch, was sich nochmal hinter welchem Link verbarg.

Morgen früh steht noch eine Bibliotheksführung an, die dann die Einführungswoche abschließt. Vormittags bekommen wir dann noch Besuch von zwei anderen Hildesheimer Studentinnen, die momentan in Tampere leben und studieren.

Außerdem freue ich mich schon sehr auf Samstag, denn wir haben uns jetzt tatsächlich ein Ferienhaus gemietet! Das ist auf einer der Inseln vor Vaasa und wir werden mit insgesamt acht Leuten mit dem Taxi rüberfahren (ist alles über Brücken zu erreichen) und das (hoffentlich) schöne Wetter im UNESCO Weltnaturerbe geniessen und die Nacht in einem echten finnischen "Mökki" verbringen!

Davon wohl nach dem Wochenende mehr!